Archive for Juni 2008
Billig abzugeben: 7 Bundesratcharaktere
Was lese ich heute morgen früh, direkt nach meiner dreiviertelstündigen Yoga-Session im Blick!?! Und zuerst: Ja, ich lese tatsächlich den Blick Online, und dies fast jeden Tag – Schande über mich. Aber zurück zum eigentlichen Thema. Meine Nach-Yoga-Entspannung war mit einem Schlag weggewischt! Eine Dreiviertelstunde schwitzen, verrenken und krampfhafte Positionshalteversuche für nichts und wieder nichts. Herzlichen Dank Schweizer Fernsehen! Wie mir der Blick mitteilte, fiel den Damen und Herren vom SF nämlich nichts besseres ein, als eine meiner absoluten Lieblingssendungen mir nichts, dir nichts aus dem Programm zu kippen: Die Bundeshaussatire „Classe politique“. Scheinbar aus Spargründen. Da reg ich mich auf und frage, kann dieser Tage etwas schlimmeres passieren? Das ist wohl der grösste Skandal seit dem Rausfaulen der Schweizer Nati an der Heim-EM!
Ohne Walter Andreas Müller und Birgit Steinegger gibt es in der Schweizer Politlandschaft ja nicht mehr viel zu lachen. Sogar Bundesrat Merz bedauert, dass er nicht mehr allsonntäglich über sich selbst schmunzeln kann. Das gefühlt witzige und sympathische Image, welches die „Classe politique“ unserer Landesregierung indirekt verpasst hat, lässt sich kaum kompensieren, obwohl gelegentliche Ausstrahlungen der „Arena“ einer Comedy-Sendung gleichen. Hmm.. Vielleicht wäre das der Ansatz? Genau!
Liebes Schweizer Fernsehen. Wir haben den Wink mit dem Zaunpfahl verstanden. Unser Mitleid für eure ach so schlechte finanzielle Situation hättet ihr auch anders haben können – dieser Schlag in unser aller Magengruben wäre nicht nötig gewesen. Es erscheint lächerlich, mit einer Sendung sparen zu wollen, in der zwei Schauspieler sieben verschiedene Charaktere mimen. Sieben für zwei, wo gibt’s denn so etwas sonst noch, ausser bei Aldi? Nun denn, falls es um ihre Finanzen tatsächlich so schlecht bestellt ist, dann haben wir folgenden Vorschlag: Schasst diesen langweiligen Arena-Moderator und stellt den Platz WAM und Birgit zur Verfügung. Die Arena gehört ja mittlerweile sowieso ins Segment „Unterhaltung“, dann soll sie dies doch auch in vollem Umfang tun. Wer weiss, vielleicht entlocken die zwei Komiker unseren Politikern noch ein paar neue Worte jenseits der altgedienten Phrasen aus dem Parteiprogramm. Ich verspreche, dass ich für diese tolle Idee auch keine Urheberrechtsgebühren einklagen werde. Herzliche Grüsse von ihrer bis anhin treuen Kundin.
PS: Deutschland ruft! Ich werde die nächsten Tage auf Reisen sein – ohne meinen Blog.
1 comment 27. Juni 2008
Konzertsommer

Kaum sind spielfreie Abende angesagt, verwaist mein Blog. Natürlich liegt’s nicht an den mangelnden Euro-News sondern vielmehr an der fehlenden Fingerkraft. Momentan haue ich Stunde um Stunde für meine Diplomarbeit in die Tasten, und bin dementsprechend Abends nicht mehr so schreibfreudig und fingerfertig. Als Kompensation biete ich hier ein paar Konzert- und Festivaltipps für den langsam in die Gänge kommenden Sommer. Es bleibt zu hoffen, dass er sich nicht schon bald wieder verabschiedet. Auch wenn’s bisweilen zu heiss zum Denken ist, freuen wir uns doch über ein bisschen Sommerbräune und einen lauen Abend mit Gegrilltem und Salat auf der Terrasse; oder eben über tolle Musik, gemütliche Stimmung und ein kühles Bier unter freiem Himmel.
In diesem Sinne – hingehen, staunen und geniessen! Und zwar hier:
-> Montreux Jazz Festival / 4.-19- Juli: Zwar nicht ganz umsonst und auch nicht draussen, dafür hochkarätig und extrem erlebenswert – vor allem wenn man nicht gern in einem Meer von besoffenen Teenies badet, wie an den anderen grossen Festivals üblich. Empfohlen: Mark Ronson am 12.7., Sophie Hunger am 6.7. (S.H. war eines meiner Konzerte des Jahres 2007) und natürlich die göttlichen The National am 16.7.
-> Openair Chrutwäje / 4. Juli: Das Programm haut einem zwar überhaupt nicht aus den Socken, aber hingehen tut man trotzdem weil’s so nahe ist, so viele bekannte Gesichter dort rumhuschen und sowieso: Support your local scene!
-> Artists for Tibet / 6. Juli: Die Young Gods, Mich Gerber, Heidi Happy und viele mehr gratis und franko auf dem Berner Bundesplatz – und dabei noch Gutmensch sein, indem man durch Anwesenheit seine Solidarität bekundet.
-> Sigur Ros im Les Docks / 9. Juli: Träumen mit den herzerwärmenden Isländern. Hoffentlich regnet’s draussen.
-> Paléo Festival Nyon / 22.-27. Juli: Egal wer spielt – immer einen Besuch wert! Tolles Gelände mit einmaliger Ambiance, super Beizlilandschaft (Tipp: Brote mit diversen Aufstrichen – keine Ahnung mehr, wie die heissen, aber sind jedes Jahr da) und sehr fairen Bierpreisen. Und am Auftaktabend mit einer tanzenden Jane vor der Bühne, wenn dEUS spielt.
Soviel mal für den Juli. Weitere Tipps dann, wenn’s soweit ist – eis nachem andere! Für alle Sonnenflüchtigen gibt es übrigens auch Clubs, die im Sommer geöffnet sind: tickets.petzi.ch. Na, wenn alle diese Konzerte mal kein Trost für uns Daheimgebliebene oder Daheimbleibende sind! Wer will da noch ans Meer..
Ja gut, ich geb’s zu. Ich würde den Eintagespass des Paléos gewissenlos gegen eine Woche Ferien am Strand tauschen. Angebote nehme ich per sofort über die Kommentarfunktion entgegen.
2 comments 25. Juni 2008
Blaue Orangen
Fussball ist, wenn aus Orangen Pflaumen werden. Wie verfaulte (gefoulte?) Früchte fielen die Holländer gestern vom Euro-Bäumchen, während die knackigfrischen russischen Jungpflanzen auf dem Euro-Rasen aufblühten.
Fussball ist aber auch, wenn aus Orangen Blaue werden. Eine halbe Million Liter Bier kippten sich die 180′000 niederländischen Fans alleine am gestrigen Viertelfinal in Basel hinter die Binde.
Und hier noch ein Linktipp für die vielen Schweizer, welche den neu gekauften orangen Fetzen nun wieder los werden wollen: www.gratis-inserate.ch. Viel Glück!
1 comment 22. Juni 2008
Monopolen oder Monogriechen
Gestern Abend während meiner Autofahrt im Live-Kommentar zum Fussballspiel Türkei gegen Kroatien auf DRS3 gehört: „Die Türken können den Ball nun monopolisieren“. Hä? Da hört man sonst im Fussball fast ausschliesslich dümmliche Aussagen und überflüssige Kommentare – wie beispielsweise dann, wenn der Ball für alle sichtbar über die Spielfeldlinie rollt: „Der Ball ist draussen, nun gibt’s Einwurf.“ Aha! – und jetzt werden plötzlich Begriffe aus der Ökonomie zur Erklärung von Spielvorgängen herangezogen!?
Einerseits unterstütze ich diese Intellektuelisierung des Fussballs natürlich, in der Hoffnung, sie möge auch auf die Spieler abfärben. Es wäre doch toll den Fernseher nach Matchende nicht mehr direkt ausschalten zu müssen, weil die nachfolgenden Spielerinterviews schon Tausend mal gehört wurden – einfach in unterschiedlichen Sprachen und verschiedenen Ausprägungen von Gesprächsinkompetenz. Auf der anderen Seite frage ich mich aber ernsthaft, ob man sich an einem gemütlichen Abend mit Chips und Bier vor dem Fernseher wirklich mit der Monopolisierung auseinandersetzen muss. Fällt den Herren Kommentatoren nichts Besseres ein, um ihre Monologe aufzuwerten?
Eine Prise Hintergrundinformation, eine Portion Witz an der richtigen Stelle und auch gerne mal ein paar Minuten Ruhe – so stelle ich mir das vor. Dabei ist die Wortwahl der Kommentatoren nicht matchentscheidend, denn ihnen unterstelle ich – aufgrund ihrer Tätigkeit – die nötige Fachkompetenz. Und schliesslich geniessen wir doch, vor allem bei langweiligen Spielen, alle gerne mal einen Fauxpas der allwissenden Off-Stimme aus dem Fernseher: Es steht im Augenblick 1:1. Aber es hätte auch umgekehrt lauten können.“ (Heribert Fassbender)
Add comment 21. Juni 2008
.ch
Meine Adresse. Meine Domain. Meine Webseite. Mein Blog.
www.janesfield.ch
3 comments 20. Juni 2008
Ode an die deutsche Sprache
Schweden ist weg. Die Schweiz sowieso. Und England war gar nicht erst da. Meine drei Lieblingsmannschaften – aus, tschüss, vorbei. Ich mag die Euro nicht mehr, und sie mich wohl auch nicht. Scheinheilig tat sie so, als müsst’ ich mich monatelang auf sie freuen – und jetzt das.
Aus Mangel an erfreulichen Fussballnews ein paar Zeilen zur Deutschen Sprache. Schliesslich bediene ich mich ihr die ganze Zeit, kostenlos. Ich möchte hier mal eine Lanze, oder zumindest ein Zahnstöcherli, für’s Hochdeutsch brechen. Ich sag’s rundheraus: Die schweizerdeutschen SMS und E-Mails gehen mir auf die Nerven, da krieg ich Hirnblähungen. Zwar benutze ich den Dialekt manchmal auch, aber verfluche ihn danach wieder, wenn ich meine eigenen SMS nicht mehr entziffern kann, weil ich meinte, meiner Kollegin aus der Hauptstadt auf Bärndütsch schreiben zu müssen, damit sie’s versteht. Dä Lushung het glöölet u esch ä richtigä Tschaaggi ?!* eehh.. was ?!*’*? Eigentlich ging’s nur um irgendeinen Idioten, der langsam und blöd ist. Et voilà, ist doch viel einfacher in Schriftsprache. Kurz und bündig. Und vielleicht auch eiskalt, langweilig und trocken. Aber immerhin versteht’s jeder, auch der Idiot.
Fast wichtiger als das Verständnis ist die Kenntnis. Im geschriebenen Schweizerdeutsch ist jeder sein eigener Duden – korrekt ist, was gefällt. An sich eine schöne Sache in einem freien Land. Aber hat einen Haken, und der heisst – nett ausgedrückt – verlernen, oder – böse ausgedrückt – verblöden. Wenn ich in Online-Foren mit überwiegend jugendlicher Beteiligung die Kommentare durchlese, wird mir schwindlig. Da hat’s mehr Sonderzeichen als sonstwas, und ich wähne mich in einem Forum für kyrillische Sprache, bis mir „huere geil“ ins Auge springt und ich wieder weiss, wo ich gelandet bin. So geil finde ich das nicht, wenn die Gross- und Kleinschreibung nur noch Alibi-Übung bei Diktaten ist, aber die Schüler ihre Aufsätze und sonstigen Texte am Computer ohne Beachtung der Schreibweise verfassen können. Die Hauptsache ist, dass sie sich kreativ ausdrücken. Alles Intelligenzallergiker? Arrghh.. da denke ich an meine harten Schultage bei Hr.Dr.Chr.Koch zurück, an denen wir stundenlang Rechtschreibung gebüffelt haben. Und für was? Dafür, dass die Regeln alle paar Jahre geändert werden und die Schreibweise der Anfangsbuchstaben im Zeitalter des Internets eh keine Rolle mehr spielt.. Pha. Dabei habe ich erst gerade mühsam das Trauma von der Lockerung der Kommaregeln überwunden.
Item (oh, war das etwa gerade Mundart?), ich verkünde hiermit meine eigene kleine Revolution gegen die Übermacht des Schweizerdeutschen oder gegen die Untergrabung der Schriftsprache. Keine Kommentare auf diesem Blog in Schwiizerdütsch! Jawohl. Das wird die Welt verändern! Moment… Kurz nachgedacht ist das eine blöde Idee, da ich mir damit auch noch die letzten potentiellen Kommentarschreiber vergraule; denn von denen hab ich (noch?) nicht wirklich viele. Egal, wer A sagt muss auch B sagen – und zwar in GROSSBUCHSTABEN.
PS: Meine Revolution missachtet die grossartigen berndeutschen Texte von Pedro Lenz – wer so schreibt, wie er, darf alles. Buchtipp: Tarzan in der Schweiz – 50 Kolumnen zur gesprochenen Sprache.
7 comments 19. Juni 2008
Gamen heilt den TV-Konsum oder Blogger sind bessere Menschen
Die Frage des Tages lautet heute: Wann findest du noch Zeit einen Blog zu schreiben? Antwort: Dann, wenn der Durchschnittsschweizer seine täglichen 139 Minuten TV konsumiert.
Okay, natürlich gucke ich auch öfters mal in den grossen Bildschirm im Wohnzimmer, aber als moderner Bürger ist man schliesslich multitaskingfähig. So zum Beispiel gestern Abend beim Spiel Österreich gegen Deutschland. Da konnte ich während der zweiten Hälfte der ersten Halbzeit prima „Die Schuld“ von John Grisham parallel dazu lesen. Nicht direkt hochstehende Literatur, ja – etwa bei James Joyce’s Ulysses hätte das wohl nicht geklappt. Item.
Neben den rund 16 Stunden TV-Konsum pro Woche, erscheinen die 5 Stunden der Gamer vor ihren Konsolen direkt mickrig. Löblich wird dabei erwähnt, dass die Anhänger von Videogames rund ein Drittel weniger fernsehen. Wow, wenn das mal nicht eines, der sich in letzter Zeit rar machenden, positiven Argumente für’s Gamen ist! Davon ausgegangen, dass die jungen Wilden ja eh nur Sex und Gewalt im TV konsumieren, könnte man also festhalten, dass durch das Gamen wöchentlich 5 Stunden weniger schändliche Filme geschaut werden. Da soll noch einer sagen, dass die Videogames Schuld an Gewaltexzessen Jugendlicher sind. Man müsste sie einfach dazu bringen Super Mario Bros anstatt ihre Egoshooters zu spielen. Ganz so, wie wir früher brav auf unseren Gameboys durch die Welten des Mariolands hüpften, und heute Gutmenschen sind, die ihre Zeit mit Weltverbessererblogs anstatt mit Killerspielen oder schändlichen TV-Serien verbringen.
3 comments 17. Juni 2008
Letzter Auftritt der 11 Sängerknaben
In 3 Minuten beginnt der Match. Gerade noch rechtzeitig… Hopp Schwiiz! Einmal mehr wünschen und hoffen wir. Wenn schon nicht mit Lorbeeren, dann wenigstens mit Stolz will man sich aus dem Turnier verabschieden. Überall wird davon geredet, wie wenig Druck nun da sei; und damit wird der Sensationssieg herbeigeschworen. Aber eigentlich ist’s ja eh Wurst.. Die meisten Schweizer sind schon auf orange eingestellt, und Grillieren (dazu tät die Wurst von vorhin passen..) und Bier trinken, kann man ja auch gut zu Matches anderer Teams. Wer sich noch nicht entscheiden konnte, für wen er nach dem Aus der Schweizer hupen geht, dem sei der Team-o-mat der NZZ empfohlen. Bei mir hat er die Russen ausgespuckt… Pfui! Aber grafisch und technisch ist das Ding ganz schön gemacht.
Beim baldigen Anpfiff sollte man sich übrigens gut auf unsere Nationalhymne und die singenden resp. nicht-singenden Spieler achten. Es gibt tatsächlich Leute, die Statistiken über solche Dinge führen, und dabei herausfanden, dass die Schweizer Nationalelf im Nicht-Singen Platz 3 belegt – wenigstens dort sind wir auf einem der vorderen Ränge. Oh Schande – das wird aber Milly Stöckli und die Aargauer SVP gar nicht freuen. Man sollte unsere Nationalspieler vor der nächsten Weltmeisterschaft ein paar Tage mit den Aargauer Erstklässlern in die Schule zum Hymnensingen schicken. Wer weiss, vielleicht könnten sie dort sonst noch ein paar Dinge lernen.. Tore schiessen zum Beispiel.
PS: Mein Spieltipp lautet 2 zu 0 für gegen Portugal. Hurra! Yakin kriegt schulfrei!
3 comments 15. Juni 2008