Ode an die deutsche Sprache

19. Juni 2008

Schweden ist weg. Die Schweiz sowieso. Und England war gar nicht erst da. Meine drei Lieblingsmannschaften – aus, tschüss, vorbei. Ich mag die Euro nicht mehr, und sie mich wohl auch nicht. Scheinheilig tat sie so, als müsst’ ich mich monatelang auf sie freuen – und jetzt das.

Aus Mangel an erfreulichen Fussballnews ein paar Zeilen zur Deutschen Sprache. Schliesslich bediene ich mich ihr die ganze Zeit, kostenlos. Ich möchte hier mal eine Lanze, oder zumindest ein Zahnstöcherli, für’s Hochdeutsch brechen. Ich sag’s rundheraus: Die schweizerdeutschen SMS und E-Mails gehen mir auf die Nerven, da krieg ich Hirnblähungen. Zwar benutze ich den Dialekt manchmal auch, aber verfluche ihn danach wieder, wenn ich meine eigenen SMS nicht mehr entziffern kann, weil ich meinte, meiner Kollegin aus der Hauptstadt auf Bärndütsch schreiben zu müssen, damit sie’s versteht. Dä Lushung het glöölet u esch ä richtigä Tschaaggi ?!* eehh.. was ?!*’*? Eigentlich ging’s nur um irgendeinen Idioten, der langsam und blöd ist. Et voilà, ist doch viel einfacher in Schriftsprache. Kurz und bündig. Und vielleicht auch eiskalt, langweilig und trocken. Aber immerhin versteht’s jeder, auch der Idiot.

Fast wichtiger als das Verständnis ist die Kenntnis. Im geschriebenen Schweizerdeutsch ist jeder sein eigener Duden – korrekt ist, was gefällt. An sich eine schöne Sache in einem freien Land. Aber hat einen Haken, und der heisst – nett ausgedrückt – verlernen, oder – böse ausgedrückt – verblöden. Wenn ich in Online-Foren mit überwiegend jugendlicher Beteiligung die Kommentare durchlese, wird mir schwindlig. Da hat’s mehr Sonderzeichen als sonstwas, und ich wähne mich in einem Forum für kyrillische Sprache, bis mir „huere geil“ ins Auge springt und ich wieder weiss, wo ich gelandet bin. So geil finde ich das nicht, wenn die Gross- und Kleinschreibung nur noch Alibi-Übung bei Diktaten ist, aber die Schüler ihre Aufsätze und sonstigen Texte am Computer ohne Beachtung der Schreibweise verfassen können. Die Hauptsache ist, dass sie sich kreativ ausdrücken. Alles Intelligenzallergiker? Arrghh.. da denke ich an meine harten Schultage bei Hr.Dr.Chr.Koch zurück, an denen wir stundenlang Rechtschreibung gebüffelt haben. Und für was? Dafür, dass die Regeln alle paar Jahre geändert werden und die Schreibweise der Anfangsbuchstaben im Zeitalter des Internets eh keine Rolle mehr spielt.. Pha. Dabei habe ich erst gerade mühsam das Trauma von der Lockerung der Kommaregeln überwunden.

Item (oh, war das etwa gerade Mundart?), ich verkünde hiermit meine eigene kleine Revolution gegen die Übermacht des Schweizerdeutschen oder gegen die Untergrabung der Schriftsprache. Keine Kommentare auf diesem Blog in Schwiizerdütsch! Jawohl. Das wird die Welt verändern! Moment… Kurz nachgedacht ist das eine blöde Idee, da ich mir damit auch noch die letzten potentiellen Kommentarschreiber vergraule; denn von denen hab ich (noch?) nicht wirklich viele. Egal, wer A sagt muss auch B sagen – und zwar in GROSSBUCHSTABEN.

PS: Meine Revolution missachtet die grossartigen berndeutschen Texte von Pedro Lenz – wer so schreibt, wie er, darf alles. Buchtipp: Tarzan in der Schweiz – 50 Kolumnen zur gesprochenen Sprache.

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7 Comments Add your own

  • 1. Dr. Hirnfurz  |  19. Juni 2008 at 8:59

    tja. aber dass es bei uns immer mehr graupelschauert statt „hornigglet“, dass wir immer öfter chille statt „d’seele lohnd lo bambele“, das macht unsere gesprochene sprache eben doch um einiges grauer.

    die hochsprache, eine fremdsprache, schleicht sich immer mehr in die mundart ein, das ist gerade bei der jüngeren generation zu beobachten. Wenn’s nicht neudeutsch ist (ergo englisch), dann ist’s aus RTL, oder liegt’s am zustrom an neubürgern aus dem grossen kanton?

  • 2. Jane  |  19. Juni 2008 at 10:18

    Guten Tag Herr Dr. Hirnfurz. Sie sind die Erlösung meiner Hirnblähungen. Danke dafür. Und auch für’s Hochdeutsche – aber die Gross-/Kleinschreibung haben sie sträflichst vernachlässigt. Ei ei ei.

    Verstanden habe ich ihr Anliegen trotzdem und unterstütze es zum grössten Teil. Ich habe nicht vor, meine revoluzzerischen Regeln im gesprochenen Alltag umzusetzen. Im Gegenteil, ich geniesse die kurligen Wörter des schweizerdeutschen Dialekts, und bin sogar dafür, diese in schriftlichen Texten gezielt einzusetzen – so wie eben. Konkret gebe ich sogar dem neumodischen Phänomen der schweizerdeutschen SMS und E-Mail ein Stück weit die Schuld, dass unsere Mundart verwässert. Sie ist nämlich nicht zum schreiben gemacht, und so lässt man Wörter oder Satzstellungen aus dem Hochdeutsch einfliessen, um es verständlich zu machen.

    Falls unsere Sprache tatsächlich vom Zustrom anderer Länder abhängt, dann befürchte ich momentan, dass wir bald Dialekt mit holländischem Einschlag sprechen.

    PS: Zum Glück gibt es Kulturmanagement, und damit doch noch ein paar Leute, die Zeit für’s Lesen und Kommentieren von Blogs haben. Gälled sie Herr Dokter?

  • 3. maya  |  19. Juni 2008 at 11:29

    Danke… jetzt musste ich richtig schön „giggälä“!

    ;-)
    Gruss Maya

  • 4. Dr. Firnjuzz  |  19. Juni 2008 at 13:33

    liebe frau dschäin. dass der kulturmänätschä mehr zeit hat, in blogs zu schreiben, ist ganz übles seemannsgarn. er muss sich diese zeit auch nehmen wie jeder andere arbeitende auch, das ist eine frage der ökonomie der aufmerksamkeit.

    übrigens finde ich holländisch doch zu sehr verwandt mit Schweizerdeutsch (Plattdeutsch?), als dass ich mich um unsere sprache ernsthaft fürchten täte.
    Aber eben: werfen wir hie und da etwas mundart ein, die Pro Helvetia wird es uns danken (Volkskultur for ever)…

  • 5. monsieur fischer  |  19. Juni 2008 at 17:14

    auso, wem sini lanze het me do jetz gnau broche… ?

    es isch doch wonderschön eso uf mundart öppis z’schriibe wo de vermuetlich am schloss kei mönsch verstoht. ned?

    i dänke grad wär de pedro lenz super findt, de müesst doch es härz für eusi sproch ha, wo langsam aber secher am usstärbe esch. i mag mi erinnere, mi erschti blog und mini erschti homepage sind sogar no of mundart gsi… s blöde isch nome, dass si niemer gfonde und vorallem niemer verstande het.

    also sms schriib i übrigens au nome unter alkohol-ifluss uf mundart. eifach well die wort-erkennig no praktisch esch und i halt chli e fuule be. aber hey, was i eigentlich ha welle säge mit all dem blabla do: i fende di text total witzig!

    es grüsst sie hochachtungsvoll
    monsieur (reto) fischer

  • 6. ps.  |  10. Juli 2008 at 0:53

    Liebe Frau Wellenfeld. Schreiben Sie doch öfters eine elektronische Post an die Adresse info@schuur.ch. Die Antwort, welche Sie dann bekommen werden, wird Sie dann wohl jeweils sehr erfreuen! :)

  • 7. Jane  |  11. Juli 2008 at 21:23

    Liebe Frau U. Schüür (oder?)
    Der Absender in ihren elektronischen Briefen ist mir nicht entgangen. Ich freue mich sehr, dass ich nicht alleine an dieser Front kämpfe! Vielleicht könnten wir ja eine Interessengemeinschaft oder eine Stiftung oder so was ähnliches gründen (und viiieel Geld einstreichen, und für was anderes ausgeben)?
    Es grüsst sie herzlich ihre Verbündete

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